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In 180 Tagen um die Welt.

Lausitzer Rundschau vom 12. Januar 2012 von Thomas Juschus

In 180 Tagen um die Welt

USA, Niederlande, Kasachstan, Kolumbien, zurzeit Südafrika, dazwischen immer mal wieder Cottbus. Demnächst Großbritannien und Australien: Bahnsprinter Maximilian Levy aus Cottbus ist zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im Sommer im permanenten Reisestress. Angelehnt an Jules Vernes Romanklassiker heißt es für den dreifachen Weltmeister: In 180 Tagen um die Welt.

Maximilian Levy kann die Tage, die er seit September zuhause im Cottbuser Ortsteil Branitz verbracht hat, fast an den Fingern beider Hände zählen. Seit Mitte September – dem Beginn der heißen Phase der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London (27. Juli bis 12. August) für die deutschen Bahnsprinter – sitzt der 24-Jährige quasi auf permanent gepackten Koffern. Seit Mitte vergangener Woche trainiert Levy zusammen mit Bundestrainer Detlef Uibel und sieben weiteren Sportlern in der Nähe von Kapstadt.

Afrika ist bereits der vierte Kontinent, den Levy seit September bereist. Nach einem Höhentrainingslager in Colorado/USA ging es zurück über den Atlantik zur Europameisterschaft nach Apeldoorn. Es folgte der Weltcup in Astana (Asien), danach wieder die Reise über den Atlantik zum Weltcup in Cali. Nach dem Olympia-Generalprobe Mitte Februar beim Weltcup in London geht es Ende März für Levy noch nach Australien. In Melboune wird die Bahn-WM ausgetragen – damit ist der Trip einmal um den Globus komplett. „Die letzten Monate ist ganz schön was zusammen gekommen an Meilen. Es gab auch schon Phasen, wo ich gar nicht mehr ins Flugzeug steigen wollte“, sagt Maximilian Levy, der deshalb vor allem den Sommer 2011 in Cottbus für sich und Freundin Madeleine, Freunde und Familie genutzt hat.

Für den permanenten Reisestress mit meistens zwei Fahr rädern, viel Zubehör und natürlich dem Equipment hat sich Levy in den letzten Jahren und Monaten einige Strategien und Hilfen zurechtgelegt. Seine neueste Errungenschaft: Kopfhörer von Bose. „Die dämmen alle Außengeräusche, was die Reise deutlich angenehmer macht“, berichtet Levy. Insbesondere auf den langen Flügen kann der Cottbuser meistens nicht so gut schlafen, hat vor allem bei Reisen gen Osten einige Mühe, den Organismus an die recht großen Zeitumstellungen anzuspassen. „Zum Glück ist das in letzter Zeit etwas besser geworden und es macht mir nichts mehr aus, stundenlang im Flieger zu hocken. Es gehört eben mit zum Job.“

Bei den Wettkämpfen und in den Trainingslagern teilt sich Levy fast immer das Zimmer mit René Enders. Mit dem Erfurter holte er 2008 Olympia-Bronze im Teamsprint, 2011 wurden beide zusammen mit Stefan Nimke aus Schwerin Teamsprint-Weltmeister. Levy und Enders kennen sich schon aus Junioren-Zeiten. „Wenn wir in ein Zimmer kommen, ist immer klar, wer welches Bett nimmt. Ich schlafe immer rechts, René immer links von mir. Das ist schon Gewohnheit“, berichtet Levy schmunzelnd. „Zuhause schlafen wir mit unseren Partnerinnen dann in gleicher Anordnung.“ Gerade in der Olympia-Vorbereitung verbringen Levy und Enders vermutlich mehr Zeit miteinander als mit ihren Freundinnen. Das Verhältnis sei problemlos und harmonisch, so Levy. „Wenn man sich über die Jahre so gut kennen gelernt hat und manchmal Monate mit dem Teamkollegen zusammen ist, versteht man sich auch ohne Worte. Für mich ist es wichtig, eine Konstante zu haben, jemanden, auf den ich mich verlassen kann. Und wenn es nur der Stromverteiler ist, den er immer dabei hat.“

Auf Annehmlichkeiten eines luxuriösen Sterne-Hotels müssen Levy & Co. aufgrund der begrenzten Reisekasse des Verbandes verzichten. In Südafrika wohnt die Mannschaft schon seit Jahren in einem etwas abgelegenen Ferienhaus und ist Selbstversorger. Im Olympic Training Center der Amerikaner in Colorado teilten sich Levy und Enders eine 15-Quadratmeter-Zelle. Toilette und Dusche waren auf dem Gang. Nach der WM in Aus tralien im April geht es übrigens noch mal über den Atlantik in die Berge von Colorado, zum letzten Feinschliff für die Olympischen Spiele. Erst im Sommer wird in London die Weltreise enden – möglichst erneut mit einer Olympia-Medaille im Gepäck.

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